Poland has voted for the old new president yesterday.
A clear voting for the friendship between Germany and Poland.What a relieve for all dedicated Europeans.
One engaged poet and one of my favorites is Wislawa Szymborska, who taught me to think about the heritage of the German-Polish historic relationship.
Well-known in her native Poland, Wisława Szymborska received international recognition when she won the Nobel Prize for Literature in 1996. In awarding the prize, the Academy praised her “poetry that with ironic precision allows the historical and biological context to come to light in fragments of human reality.” Collections of her poems that have been translated into English include People on a Bridge (1990), View with a Grain of Sand: Selected Poems (1995), and Monologue of a Dog (2005).
Today I want to post 2 poems which I especially see as ' poetry with ironic precision' and move me every time I read them.
| Children of Our Era by Wislawa Szymborska |
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We are children of our era;
our era is political.
All affairs, day and night,
yours, ours, theirs,
are political affairs.
Like it or not,
your genes have a political past,
your skin a political cast,
your eyes a political aspect.
What you say has a resonance;
what you are silent about is telling.
Either way, it's political.
Even when you head for the hills
you're taking political steps
on political ground.
Even apolitical poems are political,
and above us shines the moon,
by now no longer lunar.
To be or not to be, that is the question.
Question? What question? Dear, here's a suggestion:
a political question.
You don't even have to be a human being
to gain political significance.
Crude oil will do,
or concentrated feed, or any raw material.
Or even a conference table whose shape
was disputed for months:
should we negotiate life and death
at a round table or a square one?
Meanwhile people were dying,
animals perishing,
houses burning,
and fields growing wild,
just as in times most remote
and less political. 
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From Miracle Fair by Wislawa Szymborska, translated by Joanna Trzeciak.
The End and the Beginning
After every war
someone has to clean up.
Things won’t
straighten themselves up, after all.
Someone has to push the rubble
to the side of the road,
so the corpse-filled wagons
can pass.
Someone has to get mired
in scum and ashes,
sofa springs,
splintered glass,
and bloody rags.
Someone has to drag in a girder
to prop up a wall.
Someone has to glaze a window,
rehang a door.
Photogenic it’s not,
and takes years.
All the cameras have left
for another war.
We’ll need the bridges back,
and new railway stations.
Sleeves will go ragged
from rolling them up.

Someone, broom in hand,
still recalls the way it was.
Someone else listens
and nods with unsevered head.
But already there are those nearby
starting to mill about
who will find it dull.
From out of the bushes
sometimes someone still unearths
rusted-out arguments
and carries them to the garbage pile.
Those who knew
what was going on here
must make way for
those who know little.
And less than little.
And finally as little as nothing.
In the grass that has overgrown
causes and effects,
someone must be stretched out
blade of grass in his mouth
gazing at the clouds.

from
Miracle Fair, translated by Joanna Trzeciak.
Bisher hatte ich Gedichte von Wislawa Szymborska nur in Englisch und nehme mir heute die Zeit deutsche Gedichte zu finden:
Mir ist die Lächerlichkeit, Gedichte zu schreiben, lieber als die Lächerlichkeit, keine zu schreiben.
(Wislawa Szymborska)
Wislawa Szymborskas Gedicht
Sie sprangen aus brennenden Stockwerken hinab -
einer, zwei, noch ein paar
höher, tiefer.
Die Fotografie hielt sie an im Leben,
und nun bewahrt sie sie auf
über der Erde gen Erde.
Jeder ist noch ganz
mit eigenem Gesicht
und gut verstecktem Blut.
Es ist genügend Zeit,
dass die Haare wehen
und aus den Taschen Schlüssel,
kleine Münzen fallen.
Sie sind immer noch im Bereich der Luft,
im Umkreis jener Stellen,
die sich soeben geöffnet haben.
Nur zwei Dinge kann ich für sie tun -
diesen Flug beschreiben
und den letzten Satz nicht hinzufügen.
Die deutschsprachigen Leserinnen und Leser dürfen sich glücklich schätzen, dass ein Teil von Szymborskas allerneuesten Gedichten bereits seit letztem Sommer in Übersetzung mit polnischem Paralleltext vorliegt. Karl Dedecius, der langjährige und verdiente Vermittler polnischer Literatur, hat im feinen Band "Der Augenblick / Chwila" in der Bibliothek Suhrkamp nicht nur den vorletzten Band der Dichterin fast gänzlich auf Deutsch zugänglich gemacht, er hat überdies Szymborskas aktuellste Gedichtsammlung schon vor ihrem Erscheinen in Polen zumindest zur Hälfte bereits in den durch ihn betreuten Band aufnehmen können.
Die Themenvielfalt dieser Gedichte ist breit, ihr Ton oft ironisch und augenzwinkernd, philosophisch und nachdenklich, wie man ihn vom früheren Werk her bereits kennt. Manches Gedicht polemisiert ganz offen mit älteren.
Nicht zu übersehen ist indessen, dass die Vergänglichkeit des menschlichen Daseins, auch des eigenen, nun mehr Raum einnimmt. Gleichwohl begegnet man aber auch hier immer noch dem fast jugendlich anmutenden Staunen des lyrischen Ich über das Wunder der Existenz, welches Szymborska so meisterlich festzuhalten versteht.
Ob sie nun angesichts der Vielfalt der Schöpfung über ihren eigenen einmaligen Platz darin reflektiert ("Im Gewimmel") oder mit ihren Blumen einen einseitigen Dialog aufnimmt ("Das Schweigen der Pflanzen"):
Immer wieder nimmt die Dichterin die bewusst naive, arglose Position einer scheinbar nichts ahnenden Beobachterin ein, wie ein Kind, das etwas zum ersten Mal sieht oder erlebt. Dabei gelingen ihr überraschend neue Einsichten und Diagnosen über sich selbst und die Dinge, Pflanzen, Tiere und Menschen um sie herum.
In solchen Gedichten kann man wohl die eigentliche künstlerische Meisterschaft Wislawa Szymborskas erblicken.
Dabei habe ich einen wunderbaren blog entdeckt, der auch dieses Gedicht postet
Das Schweigen der Pflanzen
Die einseitige Bekanntschaft zwischen mir und euch
entwickelt sich nicht zum Schlechtesten.
Ich weiß was das ist: ein Blatt, eine Blüte, eine Ähre, ein Zapfen, ein Stengel
und was mit euch geschieht im April und was im Dezember.
Obwohl ihr meine Neugierde nicht teilt,
neige ich mich über manche absichtlich
und zu manchen von euch recke ich den Kopf.
Ihr habt bei mir Namen: Ahorn, Klette, Leberblümchen,
Heidekraut, Wacholder, Mistel, Vergissmeinnicht,
und ich bei euch keinen.
Wir reisen gemeinsam. Auf gemeinsamen Reisen spricht man bekanntlich,
tauscht Bemerkungen aus zumindest über das Wetter
oder über Stationen, an denen man geschwind vorüberzieht.
Es fehlte nicht an Themen, denn es verbindet uns viel.
Derselbe Stern hält uns in Reichweite.
Wir werfen Schatten aus demselben Recht.
Wir mühen uns etwas zu wissen, jedes auf seine Weise,
und das, was wir nicht wissen, gleicht sich ebenfalls.
Ich erkläre, wie ich kann, nur fragt:
was kann ich betrachten mit den Augen,
wofür schlägt mein Herz
und warum treibt mein Körper keine Wurzeln.
Aber wie soll man antworten auf nicht gestellte Fragen,
ist man zu allem Überfluss jemand
so sehr für euch ein Niemand.
Büsche, Haine, Wiesen und Sumpfgräser -
alles, was ich euch sage, ist ein Monolog,
und ihr hört ihm nicht zu.
Das Gespräch mit euch ist unerlässlich und unmöglich.
Dringend im hastigen Leben
und verschoben auf nie.

In ihren neuesten Gedichten setzt sie die bereits erprobte Engführung der großen Themen mit dem ganz Alltäglichen fort. Sie sind Reflexionen über das vermeintlich Selbstverständliche: wie es Tag wird oder wie die Wolken ziehen, Meditationen angesichts von Pfützen, Pflanzen oder Hunden, Konversationen eines lyrischen Ichs mit der Menschheit als sprödem Gegenüber. Das Gedicht "Verzeichnis" zum Beispiel listet Fragen auf, "deren Beantwortung ich nicht mehr erleben werde": Fragen nach Leben und Tod. Sie kommen daher im Gewand beinahe schlichter Überlegungen: Welcher Ringfinger trägt jetzt wohl einen gestohlenen Ring oder "Was wollte M. mir sagen/als sie nicht mehr sprechen konnte".
Diese ganze mit verblüffender Beiläufigkeit gesammelte, aber mit exakt gesetzten Akzenten inszenierte Liste von Fragen endet mit der Andeutung einer mysteriösen Antwort, die vielleicht, vielleicht im Fragmentarischen und Unverständlichen liegen könnte.
Aber: "Auch das ist eine Frage/die mich irgendwann verlässt."
Wislawa Szymborskas Meisterschaft liegt in der gewollten Missachtung der Nuancen sprachlicher Hierarchie. Durch das Einfügen eines Wortes an einer unerwarteten Stelle, wodurch jede Gewissheit zu Fall kommt und die Sprache das unendliche Nichtwissen bereits eingesteht, während das lyrische Ich vordergründig um Antwort bemüht ist. Es wird jedoch immer eine Nicht-Antwort sein, mit der Szymborska ihre Leser entlässt. Und die kann manchmal auch sehr scharf und sehr ironisch ausfallen.